März 2017: Auf Durchzug – Watvögel in den Leinepoldern

Kiebitz // Gaby Schulemann-Maier
Kiebitz // Gaby Schulemann-Maier

Zweimal jährlich während der Zugzeiten rasten in den Leinepoldern bestimmte Vogelarten, die sich gern an flachen Gewässern oder auf überschwemmten Wiesen aufhalten: die Watvögel. Weil sie gern durch schlammige Bereiche waten und nach Nahrung suchen, bieten sich im Frühjahr und Herbst gute Beobachtungsmöglichkeiten.

Zahlreiche Zugvogelarten legen zwischen ihrem Winterquartier und ihrem Brutgebiet sehr weite Strecken zurück. Obwohl sie nur ein paar Gramm schwer sind, fliegen sie aus eigener Kraft tausende von Kilometern – und das oft in erstaunlich kurzer Zeit und mit höchster Präzision, was die Wahl ihrer Strecke und das Finden des Zielortes anbelangt. "Raststätten" für einen Zwischenstopp finden sie ebenso mit traumwandlerischer Sicherheit, weshalb Jahr für Jahr rastende Watvögel in den Leinepoldern zu beobachten sind.

Trotz fortschrittlicher wissenschaftlicher Methoden konnte die Forschung bisher nur einen geringen Teil der Geheimnisse rund um die Meisterleistung Vogelzug lüften. Deshalb verwundert es nicht, dass Zugvögel bei vielen Menschen großes Interesse wecken und immer wieder Stoff für spannende Naturdokumentationen im TV liefern. Diese faszinierenden Wesen in ihrem natürlichen Umfeld selbst zu beobachten, ist aber oft noch viel interessanter. In den Leinepoldern zwischen Einbeck und Northeim bietet sich dazu im März und April wieder die Gelegenheit.

Langbeinig, aber nicht langweilig

Gemessen an ihrer Körpergröße haben Watvögel oder Limikolen, wie sie von Experten genannt werden, meist verhältnismäßig lange Beine. "Das ist für sie sinnvoll, denn sie waten bei der Suche nach Nahrung durch flaches Wasser oder schlammige Uferzonen und sollten dabei ihr Gefieder, also den Körper, nach Möglichkeit trocken und sauber halten", erklärt Thomas Spieker von den Naturscouts Leinetal e.V. Zwar ist das Federkleid wasserabweisend, doch Schlamm könnte dennoch in ihm kleben bleiben. Da sind die langen Beine durchaus von Vorteil, denn so schwebt der Bauch immer ein Stück über dem schlammigen Untergrund, in dem die Vögel kleine Tiere wie Würmer, Asseln und Insekten oder deren Larven aufspüren.

"Typisch für die Limikolen ist außerdem, dass viele Arten einen relativ langen Schnabel haben, mit dem sie im Schlick stochern können", führt Spieker weiter aus. "Ihr Federkleid ist auf der Oberseite meist in Brauntönen gehalten, was sie optisch mit ihrer Umgebung verschmelzen lässt. Wer es einmal erlebt hat, dass wie aus dem Nichts plötzlich ein zuvor ruhender Watvogel sichtbar wird, wird beeindruckt sein von der Tarnwirkung des Gefieders. Oft sieht man die Tiere erst, wenn sie sich bewegen."

Die Braunfärbung ist oftmals nicht einheitlich, sondern weist feine Muster auf, die charakteristisch für die einzelnen Vogelarten sind. In diesen Details liegt eine schlichte Schönheit, die man allerdings meist nur dann wahrnehmen kann, wenn man die Vögel durch ein Fernglas oder noch besser durch ein Beobachtungsfernrohr – ein sogenanntes Spektiv – betrachtet. Dann lassen sich feinste Details wie Farbnuancen oder zarte Muster im Gefieder erkennen.

"Ein guter Platz zum Beobachten mit Spektiv oder Fernglas ist zum Beispiel der Aussichtsturm an der Geschiebesperre", weiß Spieker. "Mitten ins Schutzgebiet zu gehen, um näher an den Vögeln zu sein, ist aus gutem Grund verboten. Die Tiere sind scheu und sie würden bei der geringsten Störung davonfliegen. Dadurch würden sie unnötig Energie verschwenden, die sie bald auf dem Weiterflug dringend benötigen. Deshalb ist es so wichtig, sich an das Wegegebot zu halten."

Weil in den Leinepoldern verschiedene Watvogelarten rasten und die Tiere meist nicht "nach Plan" in Erscheinung treten, bieten Beobachtungstouren immer wieder Überraschungen. Doch nicht jeder kennt sich mit den Watvögeln aus. Es bietet sich dann an, sich geführten Naturspaziergängen der Naturscouts Leinetal anzuschließen. Unterwegs werden nicht nur Watvögel und andere Tiere gesucht. Auch Informationen über das Gebiet und die Tiere werden von den fachkundigen Naturführern vermittelt.

Durchzügler im Spätwinter

Im März und mitunter noch im April halten sich in den Leinepoldern Watvögel auf, die als Durchzügler bezeichnet werden, weil sie lediglich einige Tage oder maximal wenige Wochen in der Gegend rasten. Sie fressen möglichst viel, um ihre Energiereserven für den Weiterflug aufzufüllen. Ihr Ziel liegt häufig weit im Norden. Jedoch gibt es durchaus auch einige Watvögel, die in der Umgebung bleiben oder nur noch ein verhältnismäßig kurzes Stück weiterfliegen werden, zum Beispiel in Richtung Küste oder ins südliche Skandinavien.

Ein prominenter und bekannter Vertreter der Watvögel, die sich im Spätwinter und zeitigen Frühling oft in den Leinepoldern zeigen, ist der rund 30 cm große Kiebitz. Seine Federhaube macht ihn unverkennbar.  Übrigens ist er nicht nur Durchzügler, sondern es gibt auch immer wieder einzelne Individuen, die in den Leinepoldern und an der Geschiebesperre brüten. Mit etwas Glück kann man im Frühling darüber hinaus den einen oder anderen Goldregenpfeifer sehen. Diese Tiere sind etwa 26 bis 29 cm lang und haben im Brutkleid gelblich-goldene Bereiche im Gefieder auf der Oberseite des Körpers. Diese Färbung macht sie unter den Watvögeln zu dieser Zeit des Jahres unverwechselbar.

Das Körpermerkmal der bereits erwähnten relativ langen Beine der Watvögel ist beispielsweise beim Bruchwasserläufer und beim Rotschenkel besonders stark ausgeprägt. Wie es der Name vermuten lässt, hat der Rotschenkel leuchtend rot gefärbte Beine. Sein Schnabel ist an der Basis bis etwa zur Mitte ebenfalls rot, woran diese Vogelart gut zu erkennen ist. In den Leinepoldern zeigen sich die rund 30 cm großen Rotschenkel allerdings nur relativ selten. Besser stehen die Chancen auf eine Beobachtung des nahe verwandten Bruchwasserläufers. Mit seiner Körpergröße von 19 bis 21 cm ist er nicht ganz so groß. Das Gefieder ist auf der Körperoberseite bräunlich und zeigt helle Federsäume. Graugelblich sind die Beine gefärbt und diese Vogelart hat einen auffälligen Augenstreif.

Ausgesprochen beeindruckende Tiere sind die Kampfläufer. Sie sind farblich überaus variabel: Ihre Federn können von braun über grau und rötlich bis hin zu weiß oder schwarz gefärbt sein, oft kommen Kombinationen dieser Farben vor. Der martialisch anmutende Name dieser Vogelart rührt daher, dass die Männchen in den Brutrevieren Balzarenen haben, in denen sie miteinander kämpfen, um die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu ziehen. Sie tragen dann auch einen auffälligen Federschmuck in Form einer breiten "Halskrause", die jedoch im Spätwinter bei den rastenden Vögeln in aller Regel nicht zu sehen ist.

Außer den genannten Arten kommen viele weitere vor, wie die Beobachtungsmeldungen auf naturgucker.de belegen. Es lohnt sich also, den Blick auf die gefiederten Durchzügler in den Leinepoldern zu richten. Und selbst wenn man mal keine Watvögel entdecken kann, gelingen meist schöne Beobachtungen anderer Vogelarten, die in dem artenreichen Naturschutzgebiet vorkommen.

 

 

 

 


 

 

 

 

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Gaby Schulemann-Maier
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